Der Jakobsweg ist in weiblicher Hand
Von svenbock
Die RUNDSCHAU-Redakteure Sven Bock und Daniel Steiger sind in dieser Woche auf den Spuren der mittelalterlichen Jakobspilger durch die Region gewandert. Nach sechs Etappen über 140 Kilometer war am Samstag Endstation in Torgau – zumindest für die Journalisten. Die Dauer-Pilgerin Ramona Jacobick dagegen kommt heute in Leipzig an. Damit ist sie den kompletten Südbrandenburger Jakobsweg entlang gepilgert.
Die Etappe von Herzberg nach Torgau hatte es noch einmal in sich: Mit 31 Kilometer Länge war sie die Königsetappe auf der Pilger-Tour von Frankfurt (Oder) nach Leipzig. Während der untrainierte Journalist auf den langen Asphaltpisten über schmerzende Gelenke klagt, pilgert Ramona Jacobick scheinbar unbeeindruckt über die brandenburgisch-sächsische Landesgrenze. Immerhin ist sie schon seit neun Tagen dabei und hat mehr als 150 Kilometer in den Knochen. Aber die Kindergärtnerin aus Fehrow (Spree-Neiße) hat das Pilger-Fieber gepackt.
Urspünglich wollte sie nur einen Tag mitlaufen. Daraus wurden zwei, drei – und heute werden es insgesamt elf. Ihr Mann saß jeden Abend bereit, sie abzuholen. Aber das kam für Ramona nicht in Frage: „Meine Füße haben mich nicht im Stich gelassen. Die Tour war eine schöne Erfahrung, gerade auch weil wir jeden Tag neue Leute kennen gelernt haben und viel geschichtliches am Wegesrand lernen konnten.“
Bis Donnerstag war aber noch gar nicht klar, dass sie den Jakobsweg wirklich bis zum Ende laufen kann. Heute müsste sie eigentlich wieder auf die Kinder aufpassen. Aber in Walddrehna kam der Anruf ihrer Kolleginnen, dass sie ihr den Tag noch geben, um in Leipzig den Pilgerstab übergeben zu können. Tränen der Freude rannen über ihr Gesicht. „Das war wirklich ganz toll, dass meine Kolleginnen mir freigegeben haben. Jetzt kann ich die Tour wirklich abschließen und bin schon ganz gespannt, wie die Stabübergabe aussehen wird“, sagt Ramona Jacobick vor dem nahen Ende ihres Weges.

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