Pilgertour 07.05.10

Der Tag der Abschiede in Herzberg

Von svenbock

Die Pilger-Gruppe auf der Landstraße zwischen Schlieben und Malitschkendorf.

Mit einem lachendem und einem weinendem Auge beginnt die fünfte Tagesetappe am Freitag von Schlieben nach Herzberg. Der erste Blick fällt aus dem Fenster: Kein Regen! Die 18 Kilometer könnten also ein Spaziergang werden.

Aber im Hinterkopf haben alle schon, dass die Gruppe am Abend weiter schrumpfen wird. Projektkoordinatorin Lara Buschmann, die vom Start in Frankfurt (Oder) an dabei war, trat schon am Donnerstag die Heimreise an. Und nach dieser Etappe muss Daniel Steiger die Pilger-Gruppe verlassen. Die Familie ruft.

Vor der Schliebener Kirche gibt es aber erstmal wieder eine Überraschung: Peter Müller und seine Frau Christa schließen sich der kleinen Pilger-Schar an. Die Schliebener Rentner haben schon Erfahrung auf dem Jakobsweg. Peter Müller: „Unsere Tochter wohnt in Südfrankfreich und durch ihren Ort verläuft die Hauptstrecke des Jakobsweges. Dort sind wir auch schon gepilgert.“ Dazu begleitet uns auch Michael Cyankiewicz, IBWL-Student von der Frankfurter Viadrina, auf dem Weg Richtung Herzberg. Er ist noch völlig „unbewandert“ und wurde durch eine Freundin, die selbst schon nach Santiago de Compostela gelaufen ist, auf den Jakobsweg aufmerksam.

Peter Müller stellt sich als fortan als Fremdenführer zur Verfügung. Der ehemalige Physiker und geborene Herzberger lebt seit 2000 in Schlieben. Er sammelt schon länger heimatkundliches Material über die Region und kennt jede Anhöhe. Er führt uns über den „Heiligen Steig“ durch das frühere Sumpfland rund um Schlieben zum Burgwall. Schon vor 3000 Jahren wurde der runde Erdwall an der Landstraße vor Malitschkendorf aufgeschüttet – als Schutz vor Angreifern. Heute sieht die Baumsiedlung am Straßenrand aber eher unscheinbar aus – ohne Peter Müllers Hinweis, hätten wir den Wall wohl nicht erkannt. In Malitschkendorf endet aber schon die gemeinsame Pilgerschaft: Christa Müller plagen nasse Füße, das Paar macht sich schweren Herzens auf den Rückweg.

Die restliche Wegstrecke vergeht wie im Flug. Schon um 14.30 Uhr taucht zwischen den Bäumen der Herzberger Kirchturm auf. Wehmut kommt auf. Die letzten gemeinsamen Meter. Trotzdem hat es Michael Cyankiewicz Spaß gemacht: „Es war eine tolle Erfahrung, mit so einem eingeschworenem Team und neuen Leuten zu pilgern.“ Dann trennen sich die Wege – und am Samstag wartet die „Königsetappe“ mit 31 Kilometern nach Torgau auf die im Moment nur noch zweiköpfige Pilger-Gruppe.

Die Bilder von der 5. Etappe zwischen Schlieben und Herzberg gibt es hier!

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