Pilgertour 05.05.10

„Geburtshelfer“ pilgern nach Walddrehna

Von svenbock

An der Pilgerei muss doch tatsächlich etwas Übersinnliches haften. Just in der Nacht, als die Pilgergruppe sich in ihrer Unterkunft in Zöllmersdorf vor den Toren Luckaus von den Strapazen erholt, wird in dem Urlaubshof neues Leben geboren. Als wir Pilger am Mittwochmorgen die gastliche Herberge verlassen, macht ein noch namenloses Hengstfohlen seine ersten unsicheren Schritte auf der Koppel. Lissa Thiel vom Urlaubs- und Pferdehof ist noch etwas in Sorge wegen der frischen Islandpferde-Mama „Thorun“, „aber die Tierärztin hat gemeint, dass sie bald wieder auf die Beine kommt“.

Derart ermuntert starten wir unseren dritten Pilgertag in Luckau. Schlappe 17 Kilometer liegen vor unseren Sohlen. Ein Lacher nach den insgesamt 50 der beiden vorangegangenen Etappen. Doch der Start verzögert sich etwas. Ohne die beeindruckende St. Nikolai Kirche mit ihrer geheimnisvollen Doppelwendeltreppe aus dem 17. Jahrhundert zu besichtigen, wollen wir Luckau nicht verlassen. Mit 45 Minuten Verspätung machen wir uns zu viert kurz vor elf über Wittmansdorf auf den Weg. Die Sonne scheint, der Weg liegt romantisch zwischen blühenden Rapsfeldern, die Füße haben sich gut erholt – ein perfekter Pilgertag nimmt seinen Lauf. Wir gehen ungewöhnlich still daher. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Pilgervorbild Hape Kerkeling prophezeit in seinem Buch, dass jeder Wanderer auf dem Jakobsweg mindestens einmal in Tränen ausbricht. Trotz aller Quälerei in den vergangenen Tagen sind die bei uns noch nicht gekullert, obwohl wir ein paar Mal kurz davor waren. Auch auf eine wie auch immer geartete Erleuchtung warten wir bisher vergebens, haben aber trotzdem einiges über uns und vor allem unsere Körper gelernt: Auch wenn man denkt, nix geht mehr, sind immer noch ein paar Kilometerchen drin. Und: Die erholsamen und heilenden Kräfte einer durchschlafenen Nacht grenzen schon an ein kleines Wunder.

An diesem dritten Tag haben wir erstmals so richtig Lust und Gelegenheit, auf die Natur und die Ortschaften auf unserem Weg zu achten. Die Pilger scheinen mittlerweile bekannt zu sein in der Niederlausitz. Wir werden gegrüßt, über Gartenzäune und Tore schallt uns öfters ein „Gute Reise“ nach.

Auch dieser Tag geht nicht ohne Überraschung vorüber. Als wir uns gegen 13 Uhr nahe Gehren zur Mittagspause eine sonnenbeschienene Wiese ausgesucht haben, kommt ein Auto vorbei und Thomas Krause springt heraus. Der Architekturstudent und Hobby-Heimatforscher aus Walddrehna hat mit zwei Mitgliedern des Vereines „Am Tor zur Lausitz“ auf die Pilger gewartet und ein paar Meter weiter ein Picknick mit Kaffee und Kuchen auf eine Anhöhe aufgebaut. Verständlich, dass wir eine derartig verlockende Einladung nicht ausschlagen. Zudem gibt es von Thomas gleich noch eine Lektion Heimatkunde mit: Er erzählt uns von Herzog Gero und dem slawischen Stamm der Lusitzi. Der Hobby-Historiker: „Ich will nach meinem Architektur-Diplom hier in der Region mal im Bereich Denkmalschutz arbeiten.“ Da kann er sein Wissen sicher gut gebrauchen.

Doch damit der Wohltaten für die Pilgergruppe noch nicht genug: Am Mittwochabend fand für die Durchwandernden in der Walddrehnaer Kirche noch ein Orgelkonzert, ein kleines Ständchen durch den örtlichen Chor und ein zünftiges Grillfest statt. So kann es weitergehen…

Mehr Bilder von der 3. Etappe gibt es jetzt endlich hier!

Thomas Krause, Edith Kühne und Gerhard Fasold (v.r.) bewirten die Pilger am Waldrand.

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