Der Spreewald spricht Spanisch
Von svenbock
Die RUNDSCHAU-Redakteure Sven Bock und Daniel Steiger wandern in dieser Woche auf den Spuren der mittelalterlichen Jakobspilger durch die Region. Gestern ging es von Briescht nach Lübben.
Eines gleich vorweg: Es ist ANSTRENGEND! Dabei fing alles so gut an. Die Pilgerherberge vor unserem Start in Briescht im Landkreis Oder-Spree erweist sich als wahres Schatzkästchen. Der Spreewälder Kai-Uwe Rettig und seine Cottbuser Freundin Sindy Koba haben hier vor einigen Monaten das 20 Jahre lang leer stehende „Alte Forsthaus“ gekauft und wollen daraus einen Platz für Kultur und Kunst und ein Umweltbildungszentrum machen. Wer vermutet schon im Dörfchen Briescht eine echte Pariser Bar, vor der schon vor 90 Jahren Gäste ihren Rotwein tranken?
Hier hat sich nun am Sonntagabend ein achtköpfiges Pilgergrüppchen versammelt: Die Koordinatorin des Pilger-Projektes von der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder), Lara Buschmann, ihr Mitstudent Alexander Schollbach, drei Spanier aus Berlin, Ramona Jacobick aus Fehrow (alle pilgern schon seit Frankfurt (Oder) mit) und wir – die beiden Schreiberlinge als Neueinsteiger.
Montagmorgen um zehn Uhr soll unser Abenteuer beginnen. Die Stiefel sind geschnürt, der Rucksack gepackt und die Stimmung das erste Mal in einem kleinen Tal: Es regnet. Doch Alexander, der eigentlich aus Calau kommt, ist optimistisch und behält mit seiner Vorhersage recht: Kurz nach zehn lässt der Regen nach.
Es geht flott voran. Die Gruppe unterhält sich prächtig in einem Gemisch aus Spanisch, Deutsch und Englisch. Mit dabei ist José Domínguez, der eigentlich aus Gran Canaria stammt, als Sportlehrer in einer Europaschule in Berlin arbeitet und von seiner Freundin Lara mit dem Pilger-Fieber angesteckt wurde „Ich mag das Wanderen. In meiner Heimat waren wir jedes Wochenende unterwegs“, erzählt er. Die ersten Kilometer sind eine Wohltat für unsere Füße. Nach einer Stunde erreicht die Pilgergruppe das Örtchen Wiese und hat ihre erste nette Begegnung am Wegesrand. Johanna und Christoph Sehmsdorf haben uns erwartet und in ihrer Scheune eine fürstliche Tafel mit Kuchen und Brötchen gedeckt. Frisch gestärkt kommen wir gut voran. Um 13 Uhr durchqueren wir Klein Leuthen – gut geleitet von den Aufklebern mit der Jakobsmuschel am Wegesrand.
Eine Stunde später machen wir Rast kurz vor Biebersdorf – und die ist Gift für Gelenke und Fußsohlen. Nur maulend geht’s weiter. Warum tun wir das? 15.45 Uhr – noch sieben Kilometer bis Lübben Zentrum. Es wird richtig hart. Die Sohlen brennen, die Knie schmerzen und der Rücken ächzt unter dem Gewicht des Rucksacks. 17.20 Uhr – Wir sind am Ziel, endlich!
Es heißt, Abschied nehmen. Die drei Spanier wünschen uns mit „Buen Camino“ einen guten Weg und fahren nach Berlin zurück.
Bilanz des ersten Tages: Blasen an den Fersen, Schmerzen in den Beinen… Dienstag geht es weiter nach Luckau. Das wird schlimm!
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