Allgemeines 25.02.10

Verschobene Texte

Von Jan Siegel

So tückisch ist für uns Zeitungsleute manchmal das Tagesgeschäft. Da hatten wir den Lesern der gedruckten Ausgabe am Mittwoch unter der Rubrik “Das lesen sie morgen” für Donnerstag versprochen:

Zwei Bronzewägelchen aus dem Spreewald – 3000 Jahre alt – beschäftigen die Wissenschaft. Reporterin Andrea Hilscher ist dem Geheimnis auf der Spur.

 

Leider aber suchten die RUNDSCHAU-Leser den angekündigten Text heute vergebens in der Zeitung. Der Grund dafür war die Entscheidung der Redaktion für eine Schwerpunktseite nach dem Total-Rücktritt der EKD-Ratspräsidentin Margot Käßmann am Mittwoch.

Auch in Zukunft wird es hin und wieder vorkommen, dass wir geplante Texte “schieben” müssen, wenn dringende aktuelle Ereignisse dazwischen drängen. Das ist aber nichts Besonderes, sondern der Alltag im schnellen und aktuellen Tageszeitungsgeschäft.

Die Leser dieses Blogs kriegen den Text zu den Bronzewägelchen jetzt schon mal vorab:

 

Geheimnisvolle Lausitzer Kultur
Wissenschaftler und Tourismusfachleute suchen Wege, die regionale Frühgeschichte zu beleuchten
Seltsam: Ausgerechnet im Zeitalter des Internets, in dem wir gewohnt sind, jede Frage binnen Sekunden durch eine Suchmaschine beantwortet zu bekommen, treffen sich 60 hochkarätige Archäologen, Historiker und Tourismusfachleute, um sich einer Frage zu widmen, die sie eigentlich nicht beantworten können.
So geschehen diese Woche im Kurort Burg (Spree-Neiße). Auf Einladung der seit 2005 bestehenden „Spreewälder Kulturstiftung“ versuchten die Experten, den historischen Begriff der „Lausitzer Kultur“ einzukreisen. Nicht ohne Hintersinn: Mit dieser immerhin 3000Jahre alten Epoche wollen sie die Identität der Region stärken und Anknüpfungspunkte für touristische Vermarktung schaffen.
Gelungen ist ein ähnliches Unterfangen bereits in Halle, wo der Fund der „Himmelscheibe von Nebra“ einen regen Besucherstrom auslöste und dem Hotel- und Gaststättengewerbe über eine Million Euro einbrachte.
Kann die „Lausitzer Kultur“ Vergleichbares leisten? Prähistoriker grenzen den Begriff auf eine Zeitspanne von 1300 bis 500v.Ch. ein. Funde von Urnenfeldern mit Grabbeigaben aus Bronze weisen auf einen Kulturraum, der von Nordböhmen über die Lausitz bis nach Thüringen reichte. Diese Bronzefunde stehen im Zusammenhang mit den in der Region häufigen Burgwällen – deren genaue Funktion bis heute ungeklärt ist. Schützten sie Fürstensitze oder bedeutende Handelszentren? Welche Menschen lebten innerhalb der Wälle, etwa in Burg oder Potsdam. Und was hat es mit den Siedlungen vor diesen Anlagen auf sich? Fasziniert von dieser Frage war auch der Berliner Rudolf Virchow, der den wohl wichtigsten Fund der Region, ein Kultwägelchen aus Bronze, machte. Doch während viele seiner Spreewälder Fundstücke heute im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte aufbewahrt werden, ist das Wägelchen als „Beutekunst“ in Moskau unter Verschluss. Doch auch, wenn es für die Touristiker nichts gibt, was sie ihren Gästen an „original Lausitzer Kultur“ zeigen können: Ein Besucherzentrum planen sie trotzdem.

Im Hotel „Zur Bleiche“ in Burg tagten die Experten der „Lausitzer Kultur“, einer Epoche vor 3000 Jahren.  (Foto: Helbig)

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