Sonderkonjunktur und Geldvernichtung
Von Jan Siegel
Michel Havasi (Foto), kommt aus Hoyerswerda. Seit mehr als einem Jahr ist der Kommunikationswissenschaftler und Betriebswirt bei der RUNDSCHAU Volontär. Seine aktuelle Ausbildungsstation ist die Wirtschaftsredaktion.
Havasi hat sich in den zurückliegenden Tagen auf den Schrottplätzen und bei den Autohändlern in der Lausitz herumgetrieben. Am Donnerstag ist nun Havasis Geschichte über “Fluch und Segen der Abwrackprämie” der Aufmacher im RUNDSCHAU-Wirtschaftsteil. Der 32-Jährige hat umfangreich recherhiert und auch recht viel Platz für seine interessanten Erkenntnisse bekommen. Und trotzdem gibt es noch Aspekte, für die in der gedruckten Geschichte kein Platz mehr war:
Abwrackprämie ist auch Geldvernichtung: Vor allem Gebrauchtwagenhändler haben in Gesprächen mit Havasi auf die Wertevernichtung durch die Abwrackprämie verwiesen. “Da gehen viele Autos in die Presse, die noch mehr als 4000 Euro wert waren. Im Glauben an das 2500-Euro-Abwrack”geschenk ” haben viele Senioren mit niedriger Fahrleistung Autos verschrotten lassen. Tatsächlich lohnt sich die Mitnahme der Abwrackprämie aber nur für Autobesitzer, deren Fahrzeuge weniger als 2500 Euro wert sind. Das ist eine Milchmädchenrechnung.
Die Warnung des Schuldnerberaters: Armin Wegner ist der Cottbuser Vorsitzende des Vereins “Schuldner in Not”. Er sieht den Abwrackhype mit gemischten Gefühlen und hofft, dass sich nicht viele Menschen durch die sehr verlockenden Abwrack-Angebote blenden lassen. Ob sich viele Autokäufer finanziell übernehmen, dass zeige sich leider erst in einigen Monaten, sagte Armin Wegner Michel Havasi.
Realisten in Autohäusern: Natürlich freuen sich die Chefs großer Lausitzer Autohäuser über den Abwrackansturm, weil sie so viele Neuwagen verkaufen können, wie schon lange nicht mehr. Doch hinter vorgehaltener Hand hat Michel Havasi auch Töne von Ungewissheit gehört. Was ist wenn der Abwrackhype vorbei ist. Dann hofft die Bundesregierung auf die Wiederbelebung des Auto-Exportgeschäftes. Davon haben die Lausitzer Autohändler allerdings gar nix …
Ende des Ost-Marktes: Viele gebrauchte Autos sind in den letzten Jahren ‘gen Osten verkauft worden. Dieser Markt ist jetzt nahezu komplett zusammengebrochen. Abgesehen von kriminellen Banden, die möglicherweise trotz Abrackprämie alte Autos über die Grenzen nach Polen, die Ukraine oder nach Russland verschieben, ist das Gros dieses Marktes Verkaufsfeldes vorläufig tot.
Und Michel Havasi hat sich abseits vom Autohandel, noch ein anderes Thema auf Wiedervorlage gelegt: Welche Auswirkungen hat die Abwrackprämie übrigens denn auf andere Einzelhändler in der Lausitz? Wer Geld für ein neues Auto ausgibt, kauft davon keinen neuen Kühlschrank, Fenseher, keine neue Küche oder auch keine Klamotten mehr…
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