Aus der Redaktion 30.03.09

Nix zu lachen

Von Jan Siegel

Ja, das wäre so ein Tag, an dem man sich schon mal auf den April-Scherz vorbereiten könnte. Schließlich gab’s da auch in der RUNDSCHAU in dieser Hinsicht schon ganz tolle Dinger.
Gleich zweimal hatten wir in den 1990er- Jahren am 1. April ein Hotel ausräumen lassen. Zuerst war es das alte Hotel “Lausitz”. Das ist längst abgerissen und stand direkt neben der Cottbuser Stadthalle, wo heute Holiday-Inn-Gäste ihr müdes Haupt ablegen. Damals haben wir einfach am 1. April geschrieben, dass das Hotel vor dem Rückbau seine Möbel zum Null-Tarif abgeben würde. Ich kann euch sagen, da habe ich Geschäftsleute mit Lkw-vorfahren sehen. Entsprechend groß war bei manch einem der Genarrten natürlich auch der Frust, als sich das ganze als Scherz herausstellte. Damals war ich Volontär, also Redakteurs-”Azubi”.

Und weil mir der Gag so gut gefallen hat, hab ich ihn einige Jahre später als Leiter der Lokalredaktion in Guben noch einmal wiederholt. Auch dort hatten wir in der Zeitung schon öfter über die Abwicklung des “Hochhaus-Hotels” geschrieben. An einem 1. April, vielleicht war’s 1996 , kam es dann zum Showdown. Ich hatte mich mit einer größeren Menge Blumen bewaffnet, um die enttäuschten “Jäger und Sammler” zu besänftigen. Aber trotz der Blumen konnten nicht alle “Opfer” über den April-Scherz lachen.

Ein Kollegen von mir wollte an einem 1. April das Schloss von Hoyerswerda an saudi-arabische Scheichs verkaufen. Auch ein Super-Idee.

Verhängnissvolle Folgen hatte ein Foto-Aprilscherz. Am Titisee im Schwarzwald hatte ich während des Urlaubs ein “Hundetoilette” fotografiert. Das ist so ein Gestell, in dem sich Plastikbeutel für die stinkenden Hinterlassenschaften der Vierbeiner befinden. Ein befreundeter Grafiker bastelte mir die Hundetoilette in ein Foto aus Guben. Das sah richtig echt aus. Und so berichteten wir an einem 1. April über die erste Hundetoilette in der Neißestadt, der an allen Straßen und Plätzen in Guben weitere folgen sollten. Die meisten Gubener hätten sich wohl darüber gefreut, denn die Stadt hatte damals ein echtes Hundeproblem. Welpen waren zu dieser Zeit auf dem Polenmarkt im benachbarten Gubin nämlich besonders billig…

Der relativ harmlose Scherz wurde zum Desaster. Eine engagierte Kindergärtnerin – superstreng, alte Schule – wollte ihrer Gruppe die Hundekot-Sammelstelle zeigen, die sie am Morgen auf dem Foto in der Zeitung gesehen hatte. Doch in der Realität war nix zu sehen. Die altehrwürdige Erzieherin tickte daraufhin vollständig aus – Schimpftiraden am Telefon. Schließlich trabte ich auch noch zum Kindergarten zum Vortrag über das Thema: “Du sollst nicht lügen” … Das Ende vom Lied war die Austellung einer echten Hundetoilette, an der Stelle, wo wir sie ins Bild montiert hatten. Die Kosten dafür hat damals sogar die Stadt Guben übernommen. Und es blieb die einzige Hundetoilette, die jemals in der Neißestadt ausgestellt worden ist.

Wer in diesem Jahr in der RUNDSCHAU auf Scherze dieses Kalibers wartet, wird vergeblich suchen. “Wir sind eine seriöse Zeitung”, hat Chefredakteur Dieter Schulz verkündet und meint damit, dass wir keinen Leser auf dreiste Weise in den April schicken … Schade eigentlich

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