Ohne Zweifel: Die Schweinegrippe wird die Lausitz erreichen. Das ist einigermaßen sicher. Die entscheidende Frage aber ist: Wann?Den Zeitpunkt für das Auftreten des ersten Schweinegrippefalls in Südbrandenburg möglichst so lange hinauszuzögern, bis es einen wirksamen Impfstoff gibt, ist jetzt wohl das wichtigste Ziel. Das wird sicher nicht so ganz klappen. Dafür sind auch die Lausitzer viel zu mobil und weltoffen.
In der RUNDSCHAU werden wir am Mittwoch der Frage nachgehen, wie die Landkreise im Süden Brandenburgs auf die Virusgefahr vorbereitet sind. Was passiert, wenn sich der erste Patient, der vielleicht gerade von einem Urlaub in Mexiko oder Spanien zurückgekehrt ist, mit Grippesymptomen bei seinem Hausarzt im Spreewald meldet? RUNDSCHAU-Reporter Daniel Preikschat geht den Fragen nach
Übrigens hat dieunsere enorme Mobilität und Vernetzung heutzutage nicht nur Nachteile in Bezug auf Virusepidemien. Ja, es stimmt, dass sich durch das Fliegen und die weltweite Vernetzung der Gesellschaften der Virus rasend schnell weltweit ausbreiten kann. Auf der anderen Seite können wir weltweit so schnell reagieren wie noch nie. Als 1918 die “Spanische Grippe” tobte, muss es Monate gedauert haben, ehe die Epidemie als solche und vor allem die Stärke der Erkrankungswellen erkannt wurde. Die erste Grippewelle im Frühjahr 1918 verlief fast unbemerkt ohne signifikant erhöhte Todesraten. Die zweite Welle im Herbst 1918 raffte weltweit dann viele Millionen (die Rede ist heute von 25 bis 50 Millionen Menschen) dahin.
Panikmache oder ernsthafte Bedrohung? Das Thema “Schweinegrippe” hat sich in den letzten Tagen zum medialen Bestseller aufgeschwungen. Seit die ersten Meldungen im Umlauf sind, habe ich mir die einschlägigen Medienportale im Netz angeschaut und dort vor allem die Ted-Umfragen. Die Angst vor der Grippe in Deutschland scheint zu steigen. Auf die Frage, ob sie Angst vor der Schweinegrippe haben, antworteten am Montagabend noch ziemlich genau 50 Prozent mit Nein. Inzwischen hat sich die Berichterstattung in allen Medien deutlich hochgeschaukelt. Am Dienstagmittag war die Zahl der “Angsthasen” leicht gestiegen (tagesschau.de 12.45: Fühlen Sie sich von der Schweinegrippe bedroht? Ja 50,7 Prozent, Nein 44,5 Prozent Nein, Weiß nicht/mir egal: 4,7 Prozent).
Es liegt im System der schnellen Medien, dass die Epidemie auch eine gewaltige mediale Welle vorsichherschiebt – so eine Art mediale Influenza. Im Bemühen, immer schneller und noch spektakulärer als die anderen zu sein, schaukeln sich auch Journalisten gerne hoch. Es liegt mir fern, die Gefahr durch eine mögliche Pandemie zu verharmlosen. Aber wer die Nachrichten zum Thema aus allen Erdteilen vernünftig filtert, wird schnell merken, zu Panik und Hysterie derzeit kein Grund besteht.
Fairerweise aber muss man auch sagen, dass die großen Medikamentenvorräte (Tamiflu-Lager) zur Virusbekämpfung in den Bundesländern auch einErgebnis der Pandemie-Berichterstattung zu Zeiten der Vogelgrippe sind. Und die derzeitige Situation kann auch zeigen, wie die Krisenstäbe und Katastrophenschützer in den Ländern- und Landkreisen reagieren und ob sie schnell und schlagkräftig arbeiten können.